Erinnerungen

1980 – 1987

Namensentstehung:
25.11.1980:
3 junge Punks gehen in Hösbach bei Aschaffenburg von der Salzgasse zur Friedhofstraße. Auf dem Weg dorthin kommen sie an einem Hügel vorbei, der im Winter als Rodelhang herhalten musste. Natürlich nahmen sie einem der Kinder den Schlitten ab um den Gören zu zeigen wie man ihn richtig einsetzte. „Vorsicht, da sind die bösen Onkels!“ warnten die älteren Kinder die jüngeren Geschwister. „Böse Onkels“, so wollten sie ihre Punkband nennen. Nur müsste man natürlich die Schreibweise ändern. Die Schule hassten sie und das sollte auch jeder wissen. „Böhse Onkäls“, würden sie ihren Namen schreiben und zusätzlich würden sie das K und das S umdrehen, damit jeder sah, dass sie drauf schissen wie man „böse Onkels“ schrieb. Danach schrieben sie „Onkels“ wahlweise mit „s“ oder „sz“ am Ende, schließlich ab 1983 Böhse Onkelz.
Gründungsmitglieder 1980: Stephan Weidner (17), Kevin Richard Russel (16) und Peter „Pe“ Schorowsky(16).

1980/1981: Erste Gehversuche

Kurze Zeit später trafen sich die drei o. g. zu ihrer ersten Aufnahmesession. Keiner von ihnen konnte auch nur annähernd ein Instrument spielen. Doch das irritierte sie nicht weiter. Punk bedeutete, nichts zu können und alles zu wagen. Hauptsache, es machte Spaß und Krach. Und darum ging es ihnen ja schließlich: Spaß, Krach, Aufmerksamkeit erregen, ihren Frust, ihre ständige Wut abzureagieren und hinauszuschreien. Es sollten Lieder sein, über Dinge, die ihnen auf die Nerven gingen. Ihr erster Song hieß „Wir scheißen auf den Rock ´n Roll“. Außer dieser Zeile gab es keinen Text in diesem Song. Eigentlich war es kein richtiger Song. Eine Melodie fehlte ebenso. Zwischen der einzigen Zeile gab es immer wieder Dialoge wie: „…aber geil…“ und „…aber auch scheiße…“. Und so ging es die ganze Zeit, „geil, scheiße, geil, scheiße“. Sie hatten Spaß, das war ihnen das Wichtigste. Und sie machten zusammen Musik. Oder so was Ähnliches. Texten war so einfach. Deswegen „komponierten“ sie an diesem Abend noch 3 weitere Stücke. Das zweite Lied hieß „Harakiri“. Auszug: „Mach dich doch alle du blöder Japaner, mach dich doch alle du blöder Japaner, du blöde Sau, du blöde Sau, du blöde Sau…“. Das dritte Lied hieß „Mehr Pogo“. Und mehr Text hatte dieses Lied auch nicht. Das vierte Lied, das sie bei ihrer ersten Aufnahmesession verewigten, war schließlich jenes, von dem sie sich noch 25 Jahre später wünschten, es nie zusammengereimt zu haben:

Türkähn raus

Türken raus! Türken raus! Türken raus!
Alle Türken müssen raus
Türkenvotze naßrassiert, Türkenvotze glattrasiert
Türkenvotze naßrassiert, Türkenvotze glattrasiert

Türken raus, Türken raus, raus aus unserem Land
Geht zurück nach Ankara
Denn ihr macht mich krank
Deutschland-Besatzer, Plastiktütenträger
Altkleidersammler und Bazillenträger

Türkenvotze naßrasiert…

Türken raus! Türken raus!
Alle Türken müssen raus
Türken raus! Türken raus! Türken raus!
Alle Türken müssen raus
Türken raus, raus, raus.

Türkenvotzen, ihr braucht was auf die Schnauze

Böhse Onkelz – Türkähn rauhs, 1. Demotape – unveröffentlicht, Winter 80/81, Selbstzensur

Dieses Lied (wie auch die anderen 3) wurde nie veröffentlicht. Es wurde lediglich einige Male live gespielt (aus Mangel an Songs). Es entstand aus Wut auf jugendliche Gangs von Türken, die in der Gegend ihr Unwesen trieben. Das mussten auch die 3 am eigenen Leib spüren. Wie oft wurden sie von den Türken verprügelt?! Den wollten sie es zeigen. Mit Musik. Und zusätzlich würden sich die Nazis aufregen, weil sie eine Punkband waren und die Nazis hassten Punks, das wusste jeder.

Dieses Lied sollte (einige Jahre später) zum wichtigsten Stützpfeiler der Medien werden bei der Hetzjagd gegen die Onkelz. Die Hintergründe dieses Liedes wussten sie zwar nicht, aber es war ihnen egal. Sie kannten den Text, das reichte! Und daraus propagandierten sie jahrelang ein Image, das teilweise heute noch Bestand hat. (Wobei ich aus Erfahrung spreche)

1981: Double life Gonzo

08.05.1981:
Auf einem Konzert im JUZ Bockenheim in Frankfurt fragen sie Matthias „Gonzo“ Röhr von der Band „Antikörper“ zum zweiten Mal ob er in ihre Band einsteigen möchte. Er hatte von ihrem ersten Auftritt (20.02.1981) gehört und konnte nicht mehr nein sagen. Die anderen Onkelz waren begeistert von seinem Gitarrenspiel. Stephan (2000): „Er war damals wahrscheinlich der einzige Punk der sein Instrument beherrschte.“ Die Onkelz waren von dem Tag an komplett. Gonzo, der seinen Spitznamen daher erhielt, weil er ständig das 78er Album von Ted Nugent „Double life Gonzo“ in einer Aldi-Tüte mit sich herumtrug, komplettierte die Band, die bis zum 19.06.2005 Bestand haben sollte.

1981 – 1983: Vom Punk zum Skin

Die Punk-Szene wurde immer größer. Einige Konzerne erkannten den Punk-Stil als Mode. Auf einmal gab es die zerrissenen Jeans und Jacken im Laden zu kaufen. Punk war man nicht mehr aus Überzeugung, sondern weil man es sich leisten konnte. Außerdem nahm die Politik immer mehr Einfluss auf die Szene. Punks wurden links. Damit konnten sich die Onkelz nicht identifizieren. Sie waren nie politisch und wollten es auch nicht werden. Sie wollten nicht mehr Teil der Szene sein. Kommerziell und politisch, das stank ihnen gewaltig. Gerade zum richtigen Zeitpunkt schwappte aus England die Skinhead-Bewegung rüber. Eine Bewegung, die der Punkbewegung in den Anfangszeiten ähnelte. Gegen das System, gegen alles, nur Party, das machen worauf man Lust hat und darauf stolz zu sein und vor allem unpolitisch musste man sein. Natürlich mussten die Haare geschoren werden, um auch zu zeigen, dass man dieser Bewegung angehört. Die Onkelz wurden Skinheads. Aus Überzeugung.

1984: Der nette Mann

Das erste Studioalbum war eingespielt. Nähere Infos hier.

1985 – 1987 Die nächsten Alben / der Ausstieg

1985 folgen zwei weitere Alben. Eine Mini-LP (nur als Schallplatte) zur WM 1986 in Mexico. Folglich heißt die Platte auch Mexico. Der Klassiker auf dieser Platte ist der Titelsong, der auch hier schon beschrieben wurde. Außerdem das nächste Studioalbum „böse Menschen, böse Lieder“. Nochmals ein klassisches Skinhead-Album. Musikalisch schon wesentlich besser als das Debütalbum.

1985/1986 war auch die Zeit, in der sich die Skinheadszene immer mehr in die politische Richtung entwickelte. Der Prozess des Ausstieges vollzog sich über eine lange Zeit. Stephan begründete den Ausstieg so: „Wir wollten unseren Spaß haben und das war zum Schluss nicht mehr möglich. Skins sind uns keineswegs gleichgültig geworden, im Gegenteil: Unser Herz schlägt immer noch für die Bewegung. Allerdings nicht mehr so kompromisslos, wie das früher der Fall war. Es ist bei uns nicht so wie bei vielen anderen Ex-Skins, bei denen die Ansichten mit den Haaren wachsen… Für die Zukunft der Skinhead-Bewegung sehe ich einigermaßen schwarz. Zu viele Leute, die früher die Bewegung geprägt haben, sind verschwunden, zu viele Leute, die den Ruf nicht halten können, sind dazugekommen.“ (Stephan Weidner, Ende 1986) Ein Jahr später sagte er dazu auch noch folgende Dinge: „Was heute noch als Skinhead auftritt, hat meistens nichts mehr mit dem zu tun, was ursprünglich mal Skin-Movement war. Übrig geblieben sind oft nur die, die tatsächlich rechtsradikal eingestellt sind. Die anderen, die von Anfang an dabei waren und die Bewegung aufgebaut haben, die haben sich inzwischen weitgehend abgesetzt und distanziert, weil sie damit nichts mehr zu tun haben wollten. Das gilt auch für uns. Nicht umsonst haben wir uns die Haare lang wachsen lassen. Wir wollen auch äußerlich dokumentieren, dass die heutige Skinszene nicht unsere Szene ist.“

Auf ihrem nächsten Album „Onkelz wie wir“ im Jahre 1987 verabschieden sie sich ganz offiziell mit einem Lied von ihren „alten“ Fans und der Szene. Ein Lied, das bis heute Kultstatus hat. Eines ihrer bekanntesten Lieder, eines der beliebtesten Live-Lieder. Das Lied, das seit Anfang der Neunziger bis 2003 immer als letztes auf den Konzerten gespielt wurde. Erinnerungen.

P.S:

Beachte: Skinheads waren in diesem Zeitrahmen nicht mit Rechtsradikalismus gleichzusetzen. Für die Leute , die wenig darüber wissen, empfehle ich diese Seite.